Direkt zum Inhalt

«Das digitale Geschäftsmodell ist unser Leitstern»

CEO Otto Bitterli zum vergangenen Geschäftsjahr, welches von einer Intensivierung rund um die Digitalisierung, höheren Versichertenzahlen und einem guten versicherungstechnischen Ergebnis geprägt war.

Nach Jahren mit einer sinkenden Zahl von Versicherten wuchs Sanitas wieder um 0,8 Prozent. Was hat zu diesem Turnaround geführt?

Zum einen konnte Sanitas ihr kundenfreundliches Image nochmals verbessern. Wir haben Innovationspreise gewonnen und gute Rankings in diversen Kundenbewertungen erzielt. Kräftige Impulse kamen von unserer finanziellen Stabilität, die zu einer für uns attraktiven Prämienrunde in der Grundversicherung geführt hat. Schliesslich konnten wir im Vertrieb stark zulegen. Besonders freuen mich die anhaltende Stärke von Swiss Life Select und das Wachstum im digitalen Kanal, denn auch in unserer Unternehmensstrategie setzen wir einen Fokus auf Digitalisierung.

Wachstum bei den Zusatzversicherungen ist ein mehrjähriges Ziel von Sanitas – wie gut wurde es 2015 erreicht?

Das Ziel wurde übertroffen! Die Anzahl der Zusatzversicherten nahm im Geschäftsjahr 2015 um 0,4 Prozent oder knapp 3000 Personen zu. Auch per 1. Januar 2016 konnten wir mit mehreren tausend neuen Zusatzversicherten klar wachsen. Es ist schön zu sehen, dass wir strategische Zielsetzungen operativ gut umsetzen können und vor allem im Bereich Zusatzversicherungen wachsen.

«Versicherungstechnisch war 2015 hervorragend.»

Das Gesamtergebnis liegt mit einem Plus von 19,1 Millionen Franken unter dem Vorjahreswert. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Mit einem Plus von knapp 20 Millionen Franken konnten wir ein solides Gesamtergebnis erzielen. Im Versicherungsgeschäft war das Geschäftsjahr sogar hervorragend. Eine objektive Beurteilung für 2015 ist aber nicht einfach, da Sondereffekte bei den Rückstellungen einen Einfluss auf das Ergebnis hatten. Zudem waren die Finanzmärkte mit der Aufhebung des Euromindestkurses Anfang 2015 unter besonderem Druck. Neben den Auswirkungen des Nationalbankentscheids haben auch weitere Ereignisse – ich erinnere an die Griechenlandkrise oder an die Entwicklung in China – zu einer höheren Volatilität der Finanzmärkte während des ganzen Jahres 2015 geführt.

2015 wurden im Unternehmen diverse Weichen gestellt, von denen sich viele unter dem Stichwort Digitalisierung zusammenfassen lassen. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Entscheide?

Am wichtigsten ist die Schärfung unserer Grundhaltung gegenüber der Digitalisierung. Dabei geht es um weit mehr als um Devices, Big Data, Analytics etc. Es geht um einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel, der sich beispielsweise in der zunehmenden Vermischung von Arbeit und Privatleben ausdrückt. Dieser Aspekt betrifft zentral unsere Rolle als Arbeitgeber, der auch in Zukunft attraktive Arbeitsplätze bieten will. Für uns im Fokus steht die Erarbeitung eines umfassenden digitalen Geschäftsmodells, welches für die Organisation ein Leitstern ist, nach dem wir unsere Tätigkeiten ausrichten.

Konkrete Weichenstellungen wurden etwa vorgenommen mit unserer Reorganisation, die dazu geführt hat, dass Digitalisierung nun in der Gesamtverantwortung der Geschäftsleitung liegt. Weiter ist das IT-Outsourcing zu Swisscom für uns eine logische Konsequenz der Digitalisierung: So können wir uns entlasten und haben mehr Raum, um uns mit der «agilen IT» auseinanderzusetzen.

Seit einem Jahr steht Ihren Kunden die Sanitas App zur Verfügung. Wie lautet Ihre Bilanz?

Die App ist ein sehr gutes und effizientes Beispiel unserer Digitalisierungsbestrebungen. Wir haben in kurzer Zeit einen unglaublichen Zuspruch zu dieser App erhalten, viele Versicherte nutzen sie regelmässig zur Interaktion mit Sanitas. So selbstverständlich die Möglichkeiten der App erscheinen mögen, stellen sie für die Branche trotzdem eine Revolution dar. Der Kunde kann eine Rechnung fotografieren und direkt übermitteln.

«Wir haben unglaublichen Zuspruch zu der Sanitas App erhalten.»

Auf den ersten Blick gab es 2015 neben den Unfallprodukten und der Sanitas App keine ganz grossen Neuerungen. Täuscht der Eindruck?

Ich glaube, der Eindruck täuscht, zumal es heute in der Versicherung nicht mehr um die grossen Produktinnovationen geht. Innovation wird heute vorwiegend innerhalb der Produkte und Prozesse erzielt, etwa durch eine andere Steuerung der Abläufe im Leistungsfall, mit Dienstleistungen für besondere Situationen oder durch Änderungen bei der Interaktion mit dem Kunden. Und da habe ich den Eindruck, dass wir uns in eine gute Richtung bewegen und viele kleinere Innovationen lancieren konnten.

Sanitas hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kunden möglichst individuell anzusprechen. Was werden diese 2016 davon merken?

Im Idealfall wenig (lacht). Der Kunde merkt nur indirekt, dass wir ihn gezielter mit einem individuellen Angebot ansprechen. Wir erkennen nicht zuletzt dank der Digitalisierung immer besser, welche Bedürfnisse ein Kunde als Individuum hat. Wir wollen auch, dass der Kunde seine Bedürfnisse uns gegenüber selber artikuliert. In diese Richtung bewegen wir uns Schritt für Schritt weiter.

«Good Governance, digitale Entwicklung & Innovationsgeist»

19,1
Millionen Franken
Sanitas weist für 2015 ein solides Ergebnis aus.